Freitag, 10. November 2017

Jasper-Trip November 2017

Na sowas! Harry hatte an einem Dienstag frei. Gegen Mittag kam eine SMS von seiner Arbeit "Willst du noch einen Tag frei?" Das war der Auslöser für unsere spontane Entscheidung. Innerhalb von 15 Minuten war die Wettervorhersage geprüft und das Hotel in Jasper gebucht. Ich hätte nie erwartet, dass wir dieses Jahr nochmal nach Jasper hoch kommen.

Letztes Jahr waren wir genau Ende Oktober und ich hoffte dieses Mal immer noch auf offene Seen. Es waren ja nur 8 Tage Unterschied zum letzten Jahr. HIER der Bericht vom Trip 30.10.2016

Spät am Tag machten wir uns also auf den Weg nach Jasper. Auf direktem Weg ohne einmal anzuhalten, denn die Sonne stand schon tief am Himmel und um 17 Uhr wurde es schon dunkel. Ich wollte jede kostbare Minute der Helligkeit ausnutzen, weil ich nicht gerne im Dunkeln fahre.


Das obere Foto war das einzige, das ich an dem Tag gemacht hatte. Die Infotafel am Beginn des Icefields Parkway zeigte "Fair" an, also war mit Schnee zu rechnen. Die ersten 75km des Icefields Parkway waren leicht zu bewältigen. Alles trocken. Aber dann veränderte sich die Fahrbahn. 

Ich kann nur sagen, es ist keine lustige Fahrt auf spiegelglattem Eis zu fahren. Da es schon um 17 Uhr dunkel wurde, wurde es immer schwerer, die verblassten Straßenmarkierungen zu sehen. Leuchtende Leitpfosten wie in Deutschland gibt es nicht. Kurz vor dem Icefields Centre setzten Seitenwinde ein und auf dem Eis hatte man das Gefühl, man wird gleich seitlich von der Fahrbahn gepustet.

Als dann in der Dunkelheit auch noch Schnee einsetzte, und die sowieso verblassten Markierungen auch noch ganz ausradierte, rutschte mein Herz weiter nach unten und ich fragte mich innerlich.... "Was denn noch"?

Na klar, ein paar Kilometer weiter standen 3 Rehe mitten auf der Fahrbahn und eine starke Bremsung war nötig. Nur gut, dass wir genau zum richtigen Zeitpunkt zum Stehen kamen und auch noch auf der Fahrbahn blieben. Mein Herz? Mittlerweile in der Hose. Wir konnten den Rehen in die verängstigten Augen sehen, sie machten uns aber Platz und verschwanden ins Dickicht.

Auf den letzten 10km Zielgerade nach Jasper war der Spuk dann endlich vorbei. Ich war echt froh, diese Fahrt überstanden zu haben und ich hatte mir vorgenommen, nie und nimmer mehr im Winter in der Nacht zu fahren. Erlösung setzte ein, als wir die erste Ampel in Jasper erreichten. Mein Herz nahm ich aus der Hose und setzte es wieder an den richtigen Platz.

So, und nun kommen endlich die Fotos, die wir am nächsten Tag gemacht haben. Früh und noch vor Sonnenaufgang sprangen wir aus den Federn. Ich wollte zum Pyramid Lake die Spiegelung fotografieren. Aber Pustekuchen!

Der Pyramid Lake war zugefroren. Was so 8 Tage Unterschied alles ausmachen.

Am Patricia Lake fand ich dann doch eine offene Stelle und konnte sogar noch den Mond einfangen.  ;) 


Der Athabasca River schwamm gemütlich vor sich hin. Ein paar Eisschollen machten es zu einem guten Fotomotiv.


In Jasper dann auch das erste Wild am Straßenrand.


Auf der Maligne Lake Road noch kurzer Stopp am Medicine Lake, der natürlich kein See mehr ist, weil das Wasser wie jeden Winter in die hunderte unterirdischen Kanäle versickert ist.

Medicine Lake

Am Maligne Lake lag dann doch mehr Schnee und natürlich war auch dieser riesige See schon zugefroren.
Dieser "Umweg" zum Maligne Lake kostete uns mehr als 1.5 Stunden, deshalb konnten wir nicht mehr am Maligne Canyon anhalten. Wir mussten wieder auf den Rückweg den Icefields Parkway hinunter. Ihr wisst schon, ein Wettlauf mit der früh einsetzenden Dunkelheit.

Der erste Stopp waren die Athabasca Falls, ca. 30km von Jasper. Ich hätte hier stundenlang stehen können, wenn es nicht so kalt gewesen wäre... Ich teile von den Athabasca Falls auch mehrere Fotos, weil ich von den natürlichen Eisformationen beeindruckt war.(Übrigens: Wir waren ganz alleine an den Wasserfällen).





Meine einzige Kommunikation mit Harry: "Whoaa""Geil!" - "Ist das schön!"

Der Goats and Glaciers Viewpoint zeigte sich auch von der schönsten Seite.



Weiter südlich vom Icefields Parkway war auch die Zufahrt zu den Sunwapta Falls vom Schnee  geräumt und geöffnet. Diese kann im Winter manchmal gesperrt sein.


Auf der gesamten Strecke von 230 km des Icefields Parkway lag in der Umgebung des Icefields
Centre der meiste Schnee.


Die Tangle Falls lachten in der Sonne.
 
Links im Bild war der Parkplatz für die Tangle Falls. Da es steil war, mussten wir mit unserem kleinen Auto mehrmals Anlauf nehmen, um auf dem Schnee den Berg hoch zu kommen.

Kurz vor dem Icefields Centre.


Also dann nur noch schnell über den Pass. Vorher aber noch am Cirrus Mountain Viewpoint anhalten bevor es runter geht.

Cirrus Mountain Viewpoint. Dort unten geht es dann für uns weiter. Könnt ihr was erkennen? Die Straße ist schneefrei.
Auch wenn nicht viel Schnee liegt, die Kälte macht es aus, dass alle Wasserfälle schon gefroren sind. Im Sommer kann man diesen Wasserfall übersehen, weil er so unbedeutend und auch nicht gekennzeichnet ist. Aber im Winter kommt er gut zur Geltung und macht seinem Namen alle Ehre: Weeping Wall (die weinende Wand) 


Beim North Saskatchewan River angekommen, wussten wir, juhu, nur noch 75km gute und trockene Strecke bis zum Ende des Icefields Parkway. 

North Saskatchewan River
Auf dem Weg lag noch der Bow Lake für einen kurzen Fotostopp. Und ich war geschockt, dass er innerhalb von 12 Tagen ganz zugefroren war. Mein letzter Bericht in diesem Blog war von unserem Road-Trip am 27. Oktober und zeigte den Bow Lake noch ohne jegliche Spur von Eis. Und nun das:

Bow Lake am 08.11.2017
Ich wollte auf dem Heimweg den Lake Louise auslassen, aber meine Neugierde packte mich und ich wollte den Stand wissen. Und da war mein Schock größer.

Lake Louise am 27.10.2017

 Lake Louise am 08.11.2017
Ob das klug war, jetzt schon auf dem Eis zu laufen? Oder war das Eis innerhalb von wenigen Tagen doch dick genug?

Pünktlich zum Sonnenuntergang schafften wir es nach Banff zu den Vermillion Lakes. In der Zwischenzeit habt ihr schon soviele Fotos vom Mount Rundle gesehen, aber ich werde euch nicht verschonen. Hier kommen die zwei Fotos, die unsere Tour von Jasper abschlossen. Insgesamt waren wir 11 Stunden unterwegs. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang....




Natürlich waren wir auch im Dezember in Jasper und da schaut die Landschaft schon anders aus....viel mehr Schnee und Eis. Falls ihr Interesse habt, hier sind die beiden Berichte vom Dezember 2015.

Icefields Parkway im Winter Teil 1
Icefields Parkway im Winter Teil 2

Donnerstag, 2. November 2017

ER ist da. Der Winter.

Letzten Freitag (27. Oktober) gab es eine herrlich schöne Wettervorhersage und ich war noch einmal in den Bergen, um mich von den Seen der Rockies zu verabschieden, bevor sie zufrieren und in den monatelangen Winterschlaf gehen.

Die Hauptseen in der Nähe von Banff und Lake Louise hatte ich so oft gesehen aber ein besonderer hatte es mir an diesem Tag angetan.

Ein Foto kann nie die Eindrücke einfangen, die man live gesehen hat. Als ich vor dieser Spiegelung stand, waren alle Kanada-Fotos der letzten 6 Jahre kurz vergessen. Diesen Eindruck hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben. (Das Bild zeigt nur einen Bruchteil von dem 180-Grad-Anblick.) Das Wasser war so still, dass die optische Täuschung mir Höhenangst bescherte. Man hatte das Gefühl, es geht so tief hinunter wie hoch hinauf. Eigentlich unbeschreiblich.

Bow Lake

Und hier noch das Beweisfoto. Jetzt sieht man ein klein wenig Wellen. Das war ein Asiate, der gerade einen Stein in den See geworfen hatte. Ich hätte ihn so gerne mit in den See gestoßen. Überhaupt keine Rücksicht, dieser Idiot! Zumindest hatte ich ihn mit giftigen Augen angefaucht: "Was hast du getan?!" Und er schaute mich nur mit verdutzten Augen an und schlich sich ein paar Meter weiter weg von mir. Ich glaube, er hatte verstanden, was er falsch gemacht hatte.




Nur kurze 5 Minuten Fahrt vom Bow Lake war der Peyto Lake, der mir um diese Jahreszeit eigentlich besser gefällt. Und dazu noch die Spiegelung! Ojejeje.

Peyto Lake Oktober 2017

Zum Vergleich mit der Farbe hier noch ein Foto vom Beginn der Saison, wo die Schneeschmelze im vollen Gang war. Die Farbe entsteht, wenn das ganze Gletschermehl mit dem Schmelzwasser in die Flüsse und Seen mitgenommen wird. Dieses Gletschermehl enthält alle Farbnuancen. Aber diese werden alle absorbiert und nur grün und blau wird reflektiert. Je mehr Gletschermehl im Wasser, um so intensiver ist das Grün oder das Blau.

Peyto Lake Juni 2017
Auf Wiedersehen Bow Lake. Auf Wiedersehen Peyto Lake.
Man kann sich nicht beklagen. Wir hatten auch dieses Jahr einen wunderschönen Oktober und nun sind wir bereit für den Winter.

Dann, heute am 2. November ist er angekommen. Stetige Temperaturen unter Null Grad (heute gefühlte -16 Grad Celsius) und Schnee, der liegen bleibt. Das ist das Zeichen, dass er endlich da ist. Der Winter. 

Das Lustige ist: Bei Facebook wird unter der Rubrik "On this day" gezeigt, was man vor ein paar Jahren gepostet hatte. Heute kam dann die Meldung, was am 2. November der letzten Jahre passiert ist. Und was glaubt ihr, was? Genau am 2. November 2015 + 2014 +2013 hatte ich den Winter angekündigt. Schaut selbst.